Mit weltweit etwa 600.000 Neuerkrankungen pro Jahr zählen die Karzinome der Kopf-Hals-Region zu den sechsthäufigsten bösartigen Erkrankungen. Tumoren der Schilddrüse, der Halswirbelsäule oder des Gehirns, aber auch Hautkarzinome werden trotz ihrer Lokalisation nicht dazugerechnet. Bei der großen Mehrzahl der Erkrankungen handelt es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst eine umfassende klinische Untersuchung, eine Histologie (Gewebeprobe), eine Bildgebung (MRT, CT, manchmal PET-CT) und häufig auch eine Panendoskopie. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung in Narkose, bei welcher die Ausdehnung des Tumors genau bestimmt werden kann.
Die drei Therapiesäulen
Therapeutisch gibt es drei Säulen: die Chirurgie, die Strahlentherapie und die systemische Therapie. Bei kleinen Stadien kann eine Therapiemodalität ausreichen, um den Krebs zu heilen. Bei fortgeschrittenen Stadien ist in der Regel eine Kombination von zwei Modalitäten notwendig. Dies kann entweder eine Operation mit nachfolgender Strahlentherapie oder eine Strahlentherapie mit gleichzeitiger Chemotherapie sein. Neu hinzugekommen ist die Immuntherapie, welche vor einer Operation gegeben wird. Das Ziel der Immuntherapie ist es, den Mechanismus des Krebses auszuschalten, mit dem er sich vor dem körpereigenen Immunsystem „verstecken" kann.
Eine Herausforderung, die ein Team braucht
Die Behandlung von Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen stellt sowohl für die Patienten als auch für die behandelnden Ärzte eine große Herausforderung dar. Die Lage im Kopf ist naturgemäß sehr exponiert, was dazu führt, dass Operationen manchmal sehr entstellend sein können. Da die Tumoren eine unmittelbare Nahebeziehung zum Atemweg haben können, kann es notwendig sein, dass die Patienten vorübergehend oder zum Teil auch dauerhaft ein Luftloch am Hals zum Atmen brauchen. Auch die Schluckfunktion kann sowohl durch das Tumorwachstum als auch durch die Tumortherapie deutlich beeinträchtigt werden. Die interdisziplinäre Betreuung der Patienten durch Pflege, Diätologie, Physiotherapie, Psychologie und zahlreiche medizinische Fächer ist unbedingt erforderlich.
Essentiell ist daher, dass jeder Patient nach abgeschlossener Diagnostik und vor Therapiestart in einem interdisziplinären Tumorboard vorgestellt wird. Hier sitzen die Spezialisten aus ihren Fachrichtungen zusammen, besprechen jeden Fall, beleuchten ihn aus allen möglichen Richtungen und geben eine Therapieempfehlung ab. Auch werden Patienten mit solchen Tumoren überwiegend in Zentren versorgt, da nur hier eine umfassende Kompetenz vorhanden ist und ausreichende Fallzahlen behandelt werden.
Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Gregor Heiduschka, MBA
Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie · stv. Klinikvorstand der HNO-Abteilung, AKH Wien / MedUni Wien
Mehr über mich →